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Wir reparieren und restaurieren Porzellan, Steinzeug, Steingut, Keramik, Fayence, Terracotta, Raku, Keramik, Glas, Kristall, Alabaster und artverwandte Gegenstände.
Wir brennen Gebrauchsporzellan wieder zusammen und schleifen Gläser ab.

Chili, Lifestyle-Magazin Die Südostschweiz am Sonntag
13. Mai 2007
 DER PORZELLANDOKTOR 
 Ein Bewahrer
 des Andenkens

Glück und Glas, wie leicht bricht das – das weiss auch der Volksmund. Und wenn dann ein An-
denken aus Glas oder Porzellan zu Boden fällt, scheint für so manchen ein Teil kostbarster Er-
innerung in Scherben zu liegen. Rolf Neff kann auch solche Wunden heilen.  Von Pascal Tischhauser

Porzellandoktor R. Neff
Wenn er dann einmal Zeit hat, will Porzellandoktor Rolf Neff in der Winterthurer Klinik auch diese antike Vase reparieren.

«Irgendwann mache ich mich mal an diese hier», sagt Rolf Neff und zeigt auf Scherben einer chinesischen Vase. «Die hat uns vor Jahren jemand überlassen.» Die Vase gehört zu jenen «Patienten», die Neff gehören; neben ihr im Regal stehen aber noch viele weitere beschädigte Porzellan- und Keramikgegenstände. Sie haben sich mit den Jahren in der Winterthurer Porzellanklinik angesammelt und harren ihrer Reparatur.
Bis Neff Hand an sie legt, kann es aber noch dauern. Denn an der anderen Wand lehnt ein viel grösseres Regal, beladen mit Dingen, auf die die Kundschaft wartet: Teller, Tassen, Vasen, Gläser und Figuren. Nicht alle sind von grossem materiellen Wert, «aber von emotionalem» wie der Porzellandoktor mehrfach betont.

Koste es, was es wolle
Mit seiner Arbeit bewahrt Rolf Neff Andenken und kittet Freundschaften: Die Vase, die stets bei Grossmutter in der Ecke stand und einer Unachtsamkeit bei der Wohnungsräumung zum Opfer fiel, der Keramikhund, den die beste Freundin bei ihrem letzten Besuch zerschlug ... es sind vielfach solche Dinge, die bei Neff in der Intensivstation landen. Oft drängt sein Einsatz: «Das muss unbedingt wieder in Stand gesetzt werden. Koste es, was es wolle», heisst es oft, wenn ein Lieblingsstück eines Bekannten zu Bruch gegangen ist.
«Viele Leute bringen aber auch die eigenen Lieblingsstücke zu uns nach Winterthur», berichtet Neff. Er nimmt eine Porzellantasse aus dem Regal und erklärt: «Für diese hier bekommen Sie auf dem Flohmarkt vielleicht noch zwei Franken, mehr nicht.» Für die ältere Dame, die der Porzellanklinik das Espressotässchen aus Berlin zuschickte, ist die Erinnerung, die sie mit dem Stück verbindet, jedoch viel mehr wert. Nicht nur im übertragenen Sinn. Auch finanziell – ab 80 Franken aufwärts kostet es, ein Souvenir zu erhalten.

Der wahre Wert der Dinge ...
Die Kunden schätzen die sorgfältige Rekonstruktion ihrer Erinnerungsstücke. Und Neff schätzt es, seiner Kundschaft ein Andenken zu bewahren. Für ihn spielt es dabei keine Rolle, ob er ein antikes Meissener Porzellan oder einen zwei Jahre alten Gebrauchsgegenstand in den Händen hält. Er weiss: Der wahre Wert steht nicht auf dem Preisschild.
Apropos Preis. Prinzipiell erstellt Rolf Neff immer erst einen Kostenvoranschlag, bevor er sich an die Arbeit macht. «Dann wissen die Kunden, woran sie sind, und können selbst entscheiden, ob ihnen die Reparatur so viel wert ist.» So wie bei der 2-Franken-Tasse. «Die Kundin will diese Tasse unbedingt in Stand gesetzt haben. Und sie besteht darauf, dass ich es bin, der das Stück repariert», sagt der Winterthurer nicht ohne Stolz. Weshalb dem so ist, wie diese Kundin zu seiner Adresse gekommen ist, weiss er aber nicht. Da kann er nur mutmassen.
Wäre die Absenderin der Tasse jünger, hätte sie vermutlich nach einer Porzellan-Reparaturstelle gegoogelt. Doch die Kundschaft Neffs gehört eher nicht zur Internet-Generation. Während alles immer schneller, immer neuer, immer besser sein muss, und die Zeit wie Sand zwischen den Fingern verrinnt, rekonstruiert Neff Dinge, die Menschen gehören, welche es würdigen, wenn vergangene Zeiten konserviert werden.
Dabei sind die Gegenstände, denen der Porzellandoktor möglichst wieder ihr früheres Aussehen zurück gibt, meist (auch) aus Quarzsand. Ob ein Emailzifferblatt, ein Kristallglas, Keramiken und Weich- oder Hartporzellan, Objekte aus all diesen Materialien kann Neff wieder in Schuss bringen. Mal mit herkömmlichen, mal mit neusten Produkten aus der Zahntechnik.

Der wahre Wert der Dinge
«Der wahre Wert der Dinge steht nicht auf dem Preisschild», weiss der Porzellandoktor und repariert all jene Dinge, die seinen Kunden lieb und teuer und ans Herz gewachsen sind.

Die Vergänglichkeit hinauszögern
«Vieles hier in der Werkstatt stammt aus der Zahntechnik, denn der Gründer der Porzellanklinik, Fritz Rutschmann, arbeitete lange Jahre in diesem Fach», erklärt Neff. Und wie wurde er zum Porzellandoktor? «Ganz einfach, ich hab mich auf ein Stelleninserat beworben.» All die Geheimnisse der gebrannten Andenken zu erlernen, war dann doch nicht so einfach. Er arbeitete deshalb längere Zeit als Assistent an der Seite seines Vorgängers Rutschmann, bis ihm dieser die Geschäftsführung 2004 übergab.
Hinter viele Rätsel alter Keramiken komme man erst mit Erfahrung, betont Neff. Beispielsweise gebe es einen Porzellanhersteller, der in seine Figuren zur Stabilität manchmal Metallstifte einarbeitete. Durch die natürliche Korrosion bricht die Figur irgendwann. «Natürliche Vergänglichkeit.» Sie lässt sich nicht aufhalten, «aber verzögern!» freut sich der Schönheitschirurg des Porzellans.

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